Die Fotografie ist heute digital
- Opas guter alter Fotoapparat bleibt im Schrank - Action bringt jetzt die Digitalkamera. Doch so modern und digital diese auch sein mag: die meisten Regeln der Fotografie können auch die silbrigen Pixelfallen nicht außer Kraft setzen. Und so gilt weiterhin die Binsenweisheit, dass gute Bilder nicht der Apparat, sondern der Mensch dahinter macht. Zwar werden viele digital aufgenommene Bilder oft nur noch auf dem PC-Bildschirm betrachtet, trotzdem besteht - zumindest für die gelungensten Aufnahmen - der Wunsch, diese auch auf Papier zu besitzen.
Neben dem relativ teuren Selbstdrucken mit dem Farbtintenstrahldrucker gibt es die Möglichkeit der Ausbelichtung auf Fotopapier. Damit sehen auch digital aufgenommene Fotos genauso aus, wie herkömmliche Bilder vom Filmnegativ - denn beide entstehen auf klassischem Fotopapier: brillant, kontrastreich und für viele Jahre lichtstabil.
Jedoch zusätzlich zum bisherigen Weg der Filmentwicklung und Bildproduktion über den Fotofachhandel oder die vielen vorhandenen Filmabgabestellen gibt es bei der Digitalfotografie einen äußerst praktischen neuen Weg zu echten Fotos von digitalen Aufnahmen zu kommen: direkt über den heimischen PC mit Internet-Anschluss.
Wie dies alles funktioniert zeigt Foto-Redakteur Peter Walz von image-scene mit einigen persönlichen, jedoch praxiserprobten Faustregeln für gute Bilder von digitalen Kameras.
Der Mensch und die (digitale) Aufnahme
Wer hinter der Kamera steht und auf den Auslöser drückt, bestimmt das (hoffentlich gute) Bild. Auch bei der Digitalfotografie gelten unverändert viele der "altmodischen Fotoweisheiten":
- Die Sonne im Rücken (des Fotografen) ergibt in jedem Fall gute Personenaufnahmen. Natürlich sind fast alle anderen Lichtstimmungen spannender und meist effektvoller; jedoch manchmal will man bei unwiederbringlichen Situationen (z.B. Hochzeiten, Familienfeiern usw.) einfach auf Nummer Sicher gehen.
- Einen Schritt näher ran ans Motiv zu gehen ist selten verkehrt. Viele Kamerasucher zeigen ohnehin weniger an, als hinterher auf dem Bild drauf ist (eben damit man nicht so leicht Köpfe und Füße abschneidet). Nur der Monitor der Digitalkamera zeigt den echten Bildausschnitt und ist somit äußerst nützlich, sofern es nicht so hell ist, dass man doch nur den eingebauten Sucher verwenden kann, wie so oft bei Außenaufnahmen..
- Wenn es dunkel wird, braucht jede Kamera (auch die Digitale!) einen festen Stand (Stativ benutzen, oder auf einen Mauervorsprung etc. auflegen) Die 1/30 Sekunde Belichtungszeit als Verwackelungsgrenze (beim Weitwinkel- oder Normalobjektiv) lässt sich auch bei der Digitalfotografie nicht überwinden. Wer in den Telebereich zoomt, muss zusätzlich auf ruhige Kamerahaltung achten, hier ist wegen des engen Bildwinkels die Gefahr von verwackelten Bildern schon bei Belichtungszeiten von 1/60 oder 1/125 Sekunde gegeben.
- Ein paar Aufnahmen mehr pro Motiv können nie schaden - und erhöhen die Wahrscheinlichkeit für gute Fotos! Vor allem bei Personenaufnahmen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass z.B. die fotografierten Leute zufällig die Augen geschlossen haben oder irgendwie den Mund schief halten..
- Die Zusammenhänge von Zeit und Blende - die Sie vielleicht noch im Fotoseminar in der Schul-AG gelernt haben gelten unverändert auch bei der Digitalfotografie. Praktisch, wenn man eine Kamera hat, die diese Einstellungen noch manuell ermöglicht und nicht alles nur automatisch macht. (dazu weiter unten noch mehr..)
Die optimale Digitalkamera
Auch wenn Ihnen die Werbung der Fotoindustrie digitale Wunderknipsen verspricht; verlieren Sie sich nicht in der oft riesigen Fülle der möglichen Einstellungen der Kamera und ihrer Bedienungssoftware. Folgende Tipps gelten für alle digitalen Kameras aller Hersteller:
- Frisch aus der Box - also neu ausgepackt und mit dem herstellereigenen Einstellungs-Setting benutzt, bieten viele Kameras reichlch unpraktische Grundeinstellungen an. Wie z.B. eine reduzierte Bildqualität (damit nicht so auffällt, daß eine viel zu kleine Speicherkarte beiliegt..) oder die stromfressende Dauerzuschaltung des Kameramonitors oder des Blitzes. Was jeweils recht schnell die Akkus entleert. Die meisten Kameras bieten die Möglichkeit die folgenden Einstellungsveränderungen dauerhaft zu speichern, so daß sie diese nicht jedesmal neu eingeben müssen.
- Verwenden Sie Ihre Kamera ausschließlich mit der höchstmöglichen Auflösung! Reduzieren Sie also nicht (etwa um mehr Bilder auf der Speicherkarte unterzubringen) die maximal mögliche Pixelzahl. Bei den meisten Kameras lässt sich zusätzlich auch noch ein Komprimierungs- oder Qualitätsfaktor einstellen; auch hier sollten Sie nie irgendwelche anderen Werte als die geringst(!)mögliche Kompression (Beispiel: Faktor 2,7 ergibt deutlich bessere Bilder als Faktor 8 oder 16) bzw. die größtmögliche Qualitätsstufe einstellen.
- Können Sie bei Ihrer Kamera die ISO-Empfindlichkeit von "Auto" auf "manuell", also auf 64, 100, 200 oder 400 ISO einstellen? Wenn ja, dann schalten Sie die Einstellung "Auto" ab und wählen Sie - sofern es hell genug ist um verwackelungsfrei zu fotografieren - stets die geringstmögliche ISO-Zahl. Das bringt deutlich bessere Bilder; denn viele Kameras wechseln im Automatikbetrieb viel zu früh und zu oft in die 400er ISO-Einstellung, die bei vielen Digitalkameras deutlich mehr sichtbares Bildrauschen produziert.
- Stehen Sie noch vor der Wahl eine neue Digicam zu kaufen, dann verzichten Sie auf schicke Designermodelle zugunsten von etwas "fotoapparat-ähnlicheren" bzw. größeren Kameras, wenn diese dafür die Möglichkeit der manuellen Einstellung von Zeit und Blende bieten. Die Garantie für gelungende Bilder erhöht sich deutlich. Vor allem dann, wenn Sie Freunde und Familie auch mit Ihren Bildern und nicht nur mit Ihrer Kamera beeindrucken wollen.
- Wird das Licht knapp - in Innenräumen oder am Abend, so funktionieren alle Digitalkameras im Automatik-Betrieb scheinbar noch immer problemlos (mal unabhängig von der selbsttätigen Blitzzuschaltung, die ohnehin nur im Nahbereich weiterhilft). Sie drücken auf den Auslöser - und auf dem Kameramonitor erscheinen richtig belichtete Bilder. Jedoch das täuscht - in der Regel sind diese Bilder alle verwackelt; denn die Kamera belichtet zwar richtig, aber mit einer viel zu langen (nicht verwackelungssicheren) Zeit. Scharfe Bilder kann man jetzt nur noch mit einer Digitalkamera aufnehmen, bei der sich die 1/30 oder 1/60 Sekunde manuell einstellen lässt! Dann sind sicher manche Bilder in den Schattenbereichen zu dunkel; das wird jedoch längst nicht so sehr als störend empfunden wie verwackelte unscharfe Fotos.
- Achten Sie deshalb auch auf die Lichtstärke des Objektivs beim Kamerakauf. Gute Objektive beginnen bei f 2.8 und nicht erst bei f 5.6! Auch das bringt viel Reserven und hilft gegen Verwackeln. Superzooms sind nicht zuletzt auch aus diesem Grund mit Vorsicht zu verwenden; denn es ist selten hell genug um ein 10-fach Zoom verwacklungsfrei ohne Stativ nutzen zu können.
- Der Taschenrechner bringt es fix an den Tag. Mehrere einzelne Speicherkarten in der derzeit gängigen Kapazität (z.B. 64 oder 128 MB) sind billiger als eine Super-Riesen-Speicherkarte mit 256 oder 512 MB. Außerdem ist das Drama so ein teures Ding mal zu verlieren nicht so groß!
- Schalten Sie dauerhaft den eingebauten Blitz in seiner Leistung zurück (-0,3 bis -0,7) das geht bei fast allen Kameras. Es ist unerklärlich, warum die Blitze nahezu bei jeder Kamera und bei jedem Hersteller (!) zu stark justiert sind.. (unabhängig davon, ob Sie den Blitz automatisch mitmischen lassen oder jeweils per Hand zuschalten).
- Nahezu alle Kameras bieten bei der Bildwiedergabe die Möglichkeit, die gespeicherten Bilder vergrößert anzuzeigen (Bild-Lupenfunktion). Nutzen Sie diese Funktion rege und kontrollieren Sie sofort nach der Aufnahme damit wichtige Bilder auf Schärfe, geschlossene Augen oder sonstige Störungen.
- Anders als Sie das von einer Spiegelreflexkamera her gewohnt sind, suchen Sie übrigens bei Digitalkameras den gestalterischen Einsatz von Schärfe und Tiefenschärfe vergebens! Nur in der Telestellung des Zoomobjektives können Sie vielleicht (und auch nur bei manueller Einstellbarkeit einer offenen Blende, im Automatikbetrieb geht ds meist auch nicht..) ein bisschen mit der Schärfe gestalten - ansonsten ist bei den normalen Digitalkameras immer alles irgendwie scharf. Das liegt an optischen Gesetzen im Zusammenspiel zwischen den verwendeten Zoom-Objektiven, dem Abstand zum Chip und den im Format sehr kleinen CCD-Bildsensoren.
- Erst bei den Digital-SLRs und ihren großflächigen CCDs gibt es wieder Fotografieren und Gestalten wie bei der Kleinbild-Spiegelreflexkamera. Ein Grund übrigens, warum diesem Kameratyp aktuell von allen wesentlichen Herstellern große Aufmerksamkeit zuteil wird. War früher die Design-Taschenkamera die hübsche Ergänzung zur SLR; so kommt jetzt ein machtvolles Come-Back der digitalen SLR's als Ergänzung zur vorhandenen Mini-Digicam. Und das jetzt auch noch zu echten Kampfpreisen von denen der Fotoanwender bisher nur träumen konnte. Verkehrte Welt - aber prima für tolle Fotos! Beispiele: Canon EOS 350D / EOS 20D und Olympus E-System im 4/3-Format. Bei beiden Kamera-Systemen ist die Bildqualität wirklich hervorragend (bei Canon möglichst die neugerechneten EF-Objektive benutzen) Olympus E-Objektive sind ohnehin komplett neu für das 4/3-System gerechnet und entwickelt.
Das perfekte Fotolabor
Die Dunkelkammer von heute steht auf Ihrem Schreibtisch! Ihr Home-PC (ja, auch der vom Aldi!) ist in der Regel bereits so leistungsstark und perfekt ausgestattet, dass damit digitale Bilder professionell verarbeitet und gestaltet werden können. In immer besserer Qualität geht das (jedoch teuer) mit hochauflösenden Farbtintenstrahldruckern und "Foto"-Papieren. Tipp: Keine anderen Tinten und Papiere als diejenigen des Druckerherstellers verwenden! "Fremdgehen" funktioniert hier nur für Low-Quality-Ansprüche oder in ganz wenigen Ausnahmefällen. Tinten und Papiere reagieren chemisch aufeinander und meist benötigen die Tinten für Farbleuchtkraft, Trocknung und Fixierung unbedingt die Orginalpapiere, da nur dort (unsichtbar) weitere Reaktions- und Fixierstoffe für die Bildfarben in der Papieroberfläche eingebettet bereit liegen! Das hat die Industrie fein hingekriegt - alle Sparversuche mit Fremdmaterialien zahlt man teuer doppelt und dreifach.. - so dass jeglicher Tinten- oder Papierwechsel zu "vermeintlich" billigeren Herstellern sich unter dem Strich nicht wirklich rechnet.
Die sinnvolle Alternative und Ergänzung für größere Bildermengen - oder auch wenn es preiswerter sein soll und ein paar Tage Zeit hat - ist das Digitalfoto aus dem Fotolabor. Also digitale Belichtungen Ihrer Bilddatein auf echtes Fotopapier. Auf den ersten und auf den zweiten Blick nicht von herkömmlichen - von Negativen belichteten - Fotos zu unterscheiden. Ja - meist sogar wesentlich gelungener, da moderne Digitalkameras in Verbindung mit den eingesetzten Digital-Labs durch digitale Bilddatenverrechnung und -verbesserung Lichtkontraste und Farben optimaler bewältigen als dies der Film (beim Normalverbraucher) je konnte.
Nachfolgende Tipps zeigen Ihnen, wie Sie bei den Internet Foto-Print-Services zu perfekten Bildern, belichtet von Ihren digitalen Bilddateien, kommen.
- Wechseln Sie nicht ständig die Labore! "Schießen" Sie sich - zumindest mal für einige Monate - auf ein Labor Ihrer Wahl ein. Nur so bekommen Sie ein wenig Erfahrung und Sicherheit in Ihre Bildproduktion hinein. Und können so (einigermaßen) sicher sein, dass die Bilder so aus dem Labor zurückkommen, wie Sie das wünschen bzw. beim letztenmal erlebt haben. Das ist ein wenig ähnlich, als wenn man früher in der guten alten Silber-Fotografie jedesmal einen anderen Hersteller, einen anderen Film oder ein anderes Labor wählte - auch da konnte man sich der Ergebnisse niemals sicher sein. Einige Cent zu sparen - und stets nur das preisgünstigste Labor zu wählen - ist am falschen Ende gespart! Denn es ist klar, dass bei Kampfpreisen die Aufträge "billigst durchgejagt" werden..
- Schicken Sie bei jedem Bildauftrag zur Kontrolle eine gleiche und mit Sicherheit völlig unveränderte Kontroll-Bilddatei zur Belichtung mit. Das kostet Sie nur wenige Cent für ein zusätzliches Bild - gibt aber eine prima Kontrolle der Produktionskonstanz dieses Laborbetriebes. Sinnvollerweise verwenden Sie dafür ein im diffusen Tageslicht aufgenommenes Bild mit möglichst vielen Farben und Hauttönen. Beispielsweise eine Personenaufnahme, die schon einmal gut belichtet aus dem Labor zurück kam.
- Für alle Schnappschüsse und Urlaubsbilder etc. sollten Sie die automatischen, vorgegebenen Einstellungen der Übertragungsprogramme unverändert beibehalten - das gilt übrigens auch für die Bildübertragungsterminals im Fachhandel.
-Nur wenn Sie individuell Ihre Bilder am PC bearbeitet und verändert haben (diese also nicht mehr unverändert direkt aus der Digitalkamera stammen) sollten Sie die automatische Bildkorrektur/-verbesserung gezielt abschalten. Was längst nicht bei allen Anbietern möglich ist oder auch tatsächlich so funktioniert!
- Das ist übrigens auch der Grund, warum anspruchsvolle Fotoamateure oder die Berufsfotografen (trotz toller, leistungsfähiger Digi-Kameras) etwa für Hochzeiten oder Portraits derzeit noch nicht digital fotografieren können: viele Labore bieten noch immer keinen digitalen Fachservice an (z.B. unveränderte High-End-Bildbelichtung bearbeiteter Bilddaten, Wahl anderer Papieroberflächen /matt/, Schnell-Lieferservice etc.).
- Testen Sie gelegentlich auch mal größere Bildformate als das heute übliche 10x15cm Bild; oftmals werden diese Bilder auf besonders leistungsfähigen Labormaschinen belichtet und Sie werden staunen welch gute Digitalbilder von einer 4 oder 5 Millionen Pixel Digitalkamera aufgenommen werden können. Auch 3 Millionen Pixel reichen oft für einen 20 x 30 cm Print aus, wenn das Motiv nicht zu detailreich war.
- Es ist leider traurig für den Fachhandel und die Finisher/Großlabore - aber meist Realität: die in den Terminals beim Fotofachhandel abgeladenen Digitalbilder brauchen vielfach länger bis sie wieder bei Ihnen oder für die Abholung im Laden aus dem Labor zurück sind; als diejenigen Aufträge, die Sie von Zuhause aus über ihren PC an die Internet-Foto-Labs übertragen haben. Außerdem müssen Sie dann zweimal dorthin und Parkplatz suchen oder gar Stadtsteuern/Parkgebühren bezahlen.. Wenn Sie nicht beim Einkaufen oder auf dem Weg zur Arbeit sowieso an einem Fotogeschäft vorbei kommen, ist dieser Fahr- und Park-Aufwand oft teurer als die Versandpauschale der Versender!
- Leider auch Realität: viele Terminals sind schlecht gewartet oder das Personal ist unfreundlich bis inkompetent. Was alle Banken geschafft haben (eine einheitliche Bedieneroberfläche bei den Geldautomaten) ist bei den Fototerminals Utopie. Wenigstens auf der Einstiegsebene der ersten Schritte (Download, Bildauswahl und Adresseingabe) wäre eine Vereinheitlichung dringend erforderlich!
- Äußerst praktisch ist es jedoch, wenn in Ihrer Nähe eines der neuen voll-digitalen Minilabs arbeitet. Also ein Vor-Ort-Lab, das auch in der Lage ist, direkt Speicherkarten abzuladen und gleich anschließend die Bilder auszugeben. Hier haben Sie vielleicht bei entsprechendem Geschick oder Beharrlichkeit - bestimmt jedoch als Stammkunde - die Möglichkeit, mal dem Bedienungspersonal über die Schulter zu sehen und können so mitlernen, wie umfangreich und perfekt digitale Bilddateien an diesen Geräten optimiert und verbessert werden können. Das macht soviel Spaß, dass man so ein Ding (halbe Tonne Gewicht, Preis ca. 100.000 Euro..) am liebsten bei sich zu Hause aufstellen möchte..
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